Überleben im «Informations-Tsunami»

Die mobile Revolution hat begonnen. 2013 wird es erstmals mehr Smartphones und Tablets geben als PCs und Notebooks. 15 000 neue Apps kommen wöchentlich auf den Markt. Die Entwicklung ist rasant und dynamisch. Daher müssen Kommunikationsprofis neue Wege gehen, um ihre Botschaften ans Ziel zu bringen.

Selbst Google und YouTube sind von den Wachstumsraten mobiler Anwendungen überrascht. Der mobile Zugang steigert die Verfügbarkeit von Informationen und lässt die schiere Menge exponentiell wachsen. Wie dringen KMU im Informations-Tsunami noch zu ihren Zielgruppen durch?

Anspruchsvolle Zeiten

Die Informationsüberlastung ist neben dem Hyperwettbewerb eine der zentralen Herausforderungen für die Kommunikation von Unternehmen. Eine Sturmflut von Informationen. Aber ist es wirklich so schlimm? Nein. Schlimmer.

Neue Wege sind gefragt, um Botschaften zielsicher zum Empfänger zu steuern einerseits; und andererseits, um die Empfänger überhaupt auf Empfang zu stellen. Wir beleuchten hier die Hintergründe und Entwicklung der Informationsflut und zeigen Lösungswege auf. Denn für KMUs gibt es smarte Überlebensstrategien, wie zum Beispiel die Magie der Marke, um erfolgreich im Informations-Tsunami zu kommunizieren.

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Die Medienentwicklung

Wir kennen die Zahl: In westlichen Industriestaaten herrscht eine Informationsüberlastung von 98 %. Oder anders ausgedrückt: Wir nehmen nur noch 2 % der Informationen bewusst war, denen wir täglich ausgesetzt sind. Dies war allerdings schon Mitte der 1980er Jahre der Fall. Ein Blick auf die Medienentwicklung zeigt, dass die Informationsflut weiter rasant zunimmt.

1990er - Aufstieg der Werbung

Die Privatisierung von Radio und TV hatte zur Folge, dass es zu einer starken Zunahme von Werbung kam. Radiowerbung nahm in der Schweiz bis 2001 um rund 500 % zu und TV Spots sogar um 1 600 %. In den 1980er Jahren waren wir täglich 650 Werbekontakten ausgesetzt. Heute sind es zwischen 2 500 und 5 000.

2000er - Aufstieg des Internet

Das Internet verstärkt die Entwicklung der Informationsüberlastung mit einer bislang unbekannten Dynamik. Um 50 Millionen Nutzer zu erreichen benötigte das Radio 38 Jahre, TV nur noch 13 Jahre. Das World Wide Web eroberte diese Anzahl von Nutzern in nur 7 Jahren.

In der zweiten Hälfte der 2000er entstand ein zusätzliches Phänomen: Soziale Netzwerke, allen voran Facebook. Und damit kommt es zum sogenannten Facebook-Effekt. Wir kennen die Zahlen (Stand 11/2012): über 1 Milliarden aktiver Nutzer bei einer Marktdurchdringung in der Schweizer Bevölkerung von rund 40 %. Spannend ist aber, welche Auswirkung Facebook auf die Aufmerksamkeit im Internet hat. Laut einer aktuellen Studie von Nielsen besucht der Durchschnittsnutzer in den USA pro Monat etwa 95 Websites mit 2 800 Seiten. Und allein 800 davon befinden sich in Facebook. Also etwa 30% dessen, was wir im Web sehen, passiert bereits in Facebook. Es ist eine Art schwarzes Loch, das die Aufmerksamkeit im Internet mehr und mehr an sich zieht.

Beeindruckende Zahlen zum Phänomen Soziale Netzwerke zeigt das Video «Social Media Revolution» von Eric Qualman. Jetzt in der aktualisierten Version 2013.

2010er - Die mobile Revolution

Aktuell erleben wir die mobile Revolution. Erst kürzlich hat die Anzahl aktiv genutzter Smartphones 1 Milliarde überschritten. Beeindruckend, wenn man sich vor Augen hält, dass die aktuelle Dynamik erst vor etwa 5 Jahren mit dem Launch des iPhones so richtig ins Rollen kam. Und das Potenzial ist weitaus grösser: weltweit gibt es derzeit insgesamt 6 Milliarden Mobiltelefone. Durch Smartphones und auch Tablets ist eine weitere Informationsflut entstanden: Apps! Während weltweit wöchentlich 100 Filme und 250 Bücher veröffentlicht werden, kommen 15 000 neue Apps auf den Markt. Jede Woche!

Die Entwicklung ist äusserst dynamisch. Selbst Google ist davon überrascht. Eric Schmidt, unterstreicht den Trend: «Jeden Monat, jedes Quartal und jedes Jahr übersteigt die Wachstumsrate der mobilen Anwendung alle Erwartungen. Heutige Telefone sind inzwischen so nützlich, dass sie für viele Menschen bei täglichen Aufgaben den PC ersetzen.» Auch YouTube Manager Robert Kyncl kommt zu einem ähnlichen Schluss. «Wir erleben aktuell eine massive Veränderung im Kundenverhalten. Der Anteil mobiler Zugriffe auf YouTube hat sich in den letzten 18 Monaten von 6 % auf 25 % erhöht.» Die mobile Nutzung hat sich somit mehr als vervierfacht.

Wo wir gerade von YouTube sprechen: Aktuell werden 100 Stunden Videomaterial auf der inzwischen zweitgrössten Suchmaschine veröffentlicht. Pro Minute! Noch 2007 waren es lediglich 8 Stunden. Das heutige Volumen entspricht einer Laufzeit von 70 000 Spielfilmen pro Tag. Stellen Sie sich das als DVD Boxen vor. In der Tat eine Sturmflut von Informationen.

Herausforderungen

Man könnte auf die Idee kommen, dass die Informationsüberlastung ausschliesslich bei einer jungen Zielgruppe der Fall ist. Oder dass es sich im B2B-Bereich völlig anders verhält. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Hochschule Luzern kommt allerdings zum Ergebnis, dass Informationsüberlastung auch für Schweizer KMU die grösste Herausforderung in der Kommunikationsarbeit ist.

Es stellt sich die Frage, wie sich Unternehmen in der Sturmflut von Informationen behaupten können? An der Hochschule Luzern werden beispielsweise folgende Lösungsansätze für KMU diskutiert.

Lösungsansätze

Effektivität und Effizienz

Kreative, emotionale und innovative Kommunikation sowie Beziehungsmanagement werden von vielen KMU bereits genutzt. Wie die Studie jedoch gezeigt hat, liegt das Potenzial in der strategischen Planung und der effektiven Integration der Kommunikation. Denn nur rund die Hälfte der KMU geben an, eine Strategie schriftlich formuliert zu haben.

Mit strategischer Planung und integrierter Kommunikation optimieren KMU die Zielerreichung und Wirtschaftlichkeit ihrer Unternehmens- und Marketingkommunikation. Kern ist die Entwicklung der obersten Zielsetzung der Unternehmenskommunikation: die «strategische Positionierung». Die Kommunikation des Unternehmens wird auf klare Ziele ausgerichtet.

Ein hierarchisches System ordnet Botschaften und Instrumente für alle relevanten Ziel- und Bedarfsgruppen. Eine instrumentelle, zeitliche, sprachliche, formale und inhaltliche Integration der Kommunikation konzentriert die Kräfte. Es entsteht mehr Effektivität in der Kommunikation, damit die Botschaften eines Unternehmens wirken, beim richtigen Empfänger ankommen und dort verstanden werden.

Markenkraft

Und es gibt eine Lösung, mit der Unternehmen ihre Zielgruppen nicht mehr mit kommunikativen Massnahmen verfolgen und belagern müssen: werteorientierte Markenstrategie. Hierbei sendet das Unternehmen Signale aus, die Mensch anziehen, so dass sich automatisch eine Gefolgschaft, oder besser gesagt eine Fangemeinschaft bildet. Zwischen Unternehmen und Kunden entsteht eine gegenseitige Anziehung erzeugt durch die Kraft der Unternehmens- und Markenwerte.

Unternehmensmarken geben Orientierung, differenzieren und verleihen einem Leistungsangebot eine höhere Anziehungskraft als das reine Produkt. Kern ist die Definition von Markenwerten. Denn Marken ziehen Menschen über Werte an. Oder einfach ausgedrückt: Menschen kaufen nicht das, was Unternehmen anbieten, sondern warum sie dies tun.

Für Unternehmen kreieren Marken einen Wettbewerbsvorteil: Das Leistungsangebot wird einzigartig und hebt sich von vergleichbaren Produkten anderer Anbieter ab. Ein Mittel gegen die Austauschbarkeit der reinen Produktleistung. Marken sind das zuverlässigste ökonomische Mittel für eine dauerhafte Verbundenheit der Kunden mit dem Unternehmen.

Marken bieten auch die Möglichkeit für eine dauerhafte Preisbereitschaft bei Kunden. Verbraucher sind Marken eher treu, weil sie ein Qualitäts- und Leistungsversprechen erfüllen. So werden Einmalkunden zu Stammkunden. Marken spiegeln die Wertehaltung von Konsumenten. Dadurch können Kunden zu Fans werden, welche die Marke in ihrem Umfeld weiterempfehlen. Insgesamt bieten Marken die Chance für einen höheren Marktanteil und höhere Erträge. Sie sichern ein Unternehmen gegen Nachahmung ab und steigern langfristig seinen Wert.

Werteorientierte Markenstrategien und strategische Kommunikation sind für KMU zwei wirkungsvolle Instrumente in der Sturmflut von Informationen. Mehr dazu auf: www.say-when.ch

Update März 2013

Das «KMU-Magazin», die Schweizer Fachzeitschrift für Geschäftsleitung  und Verwaltungsrat, hat in der Ausgabe 4/2013 den Artikel «Mit der  Informationsflut richtig umgehen» publiziert. Wir  stellen unseren Lesern den Artikel gerne mit freundlicher Genehmigung  des «KMU-Magazin» als pdf-download zur Verfügung.

Das «KMU-Magazin» erreicht  mehr als 65 Prozent der Inhaber, Geschäftsführer oder höheren  Kadermitglieder mittelständischer, deutsch-schweizerischer Unternehmen.  Es erscheint 10 Mal pro Jahr und hat 118'000 Lesende, davon 25'000  Leader mit 10'000 Top-Leader. Das «KMU-Magazin» ist mit dem Gütesiegel  «Q-Publikation» vom Verband Schweizer  Presse ausgezeichnet.

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